Vision der Jugend – World Café im Jugendzentrum Rohrbach

Austausch zum Thema “Ernährung” – Foto: Paul Lauer

Die Vision Donau-Böhmerwald 2040 wird nur dann ihre volle Kraft entwickeln können, wenn diese auch von der Jugend mitgetragen und erweitert werden kann. Um einen ersten tatkräftigen Schritt in diese Richtung zu setzen, hat das LEADER-Büro gemeinsam mit dem Jugendzentrum s’Haven Rohrbach und dem GLAMURS-Projekt im Rahmen der Aktionstage Nachhaltigkeit einen gemeinsamen Abend organisiert: „Ein gutes Lebensklima? Ein Abend für unsere Region Donau-Böhmerwald“.

Social Media Reporterin Lisa Bauchinger, die den Abend im Rahmen der “Aktionstage Nachhaltigkeit” begleitet, beschreibt die Eckpunkte der Veranstaltungen folgendermaßen:

„Im Rahmen eines World Cafés, einer Workshop-Methode, die es einer größeren Anzahl an Menschen ermöglicht sich in Kleingruppen über ihre Sichtweisen und Ideen auszutauschen, wurden Jugendliche aus Rohrbach eingeladen über das Thema Nachhaltigkeit und ihre Bedürfnisse und Ansprüche an eine nachhaltige Zukunft zu diskutieren. Eine wichtige Frage an die Jugendlichen war, wie sich die Region entwickeln müsste, damit sie auch für die Jungen attraktiv ist und somit leben und arbeiten im ländlichen Raum wieder ansprechend macht. Für das Team des EU-Projekts GLAMURS ist es wichtig, neben zahlreichen Ideen und Meinungen von Erwachsenen, auch die Perspektiven der neuen Generation einzuholen, um das Bild zukünftiger Visionen in der Region abrunden zu können.“

Einige Jugendliche aus der Region sind der Einladung gefolgt und beteiligten sich lebhaft an den Diskussionen über die zentralen Themen des Abends: Ernährung, Konsum und Mobilität. Viele der zuvor von Klaus Diendorfer (LEADER Geschäftsführer), Moritz Kammerlander und Paul Lauer (wissenschaftliche Mitarbeiter des GLAMURS-Projekts) vorgestellten Ideen aus der zuvor regional erarbeitenden Vision wurden aufgegriffen, diskutiert und erweitert.

Um einen möglichst persönliche Einblick in die jeweiligen Perspektiven der Jugendlichen zu gewinnen, wurde der Austausch in den drei Bereichen Ernährung, Konsum und Mobilität durch die folgenden drei Leitfragen strukturiert:

  • Was motiviert mich ressourcenschonend zu leben?
  • Was muss Politik machen damit ressourcenschonende Lebensweisen leichter gelingen?
  • Wie wird es sichtbar und was kann ressourcenschonendes Leben langfristig bewirken?

So konnte die Vision Donau-Böhmerwald 2040 bereits um eine Vielzahl (jüngerer) Stimmen bereichert werden. Diese haben gezeigt, dass auch die jungen Generationen sehr an einer Reduzierung der Umweltbelastungen interessiert ist. Entschleunigung und Stressabbau werden auch von ihnen zum Thema gemacht und der Wille zu einer Wiederverwertung und gemeinsamen Benutzung von Gegenständen und Transportmittel ist bereits da. Sie teilen sowohl den Wunsch nach regional und biologisch-produzierten Lebensmitteln als auch die Sorge um die eigene Gesundheit im Kontext von derzeitigen Produktionsmethoden und Chemikalien.

Als Motivation für ein (regionales) Umdenken Im Bereich der Ernährung wurden außerdem beispielsweise der Tierschutz, der bessere Geschmack von biologisch-produzierten Lebensmittel und eine gesteigerte Wertschätzung von Essen im Allgemeinen genannt. An die Politik richten sich diesbezüglich unter anderem jene Aufforderungen, genmanipulierte Lebensmittel zu verbieten, Wochenmärkte stärker zu unterstützen und den Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum zu überdenken. Erst wenn das „Bauernsterben“ ein Ende habe, sich das lokale Produzieren gesunder Lebensmittel wieder rentiere und weniger Lebensmittel im Müll landen (müssen), wird für sie eine positive Veränderung sichtbar.

Im Bereich Konsum geht es ihnen um einen reduzierten Ressourcenverbrauch und weniger Abfallproduktion. Der Gedanke an Kinderarbeit (insbesondere in der Textilbranche), das “Meer an (unserem) Elektromüll” in afrikanischen Ländern und der „Konsumzwang” motivieren die jungen TeilnehmerInnen des Abends. Sie wollen mehr Bewusstseinsbildung von der Politik, bessere/umweltverträglichere Gesetze und ein Vorgehen gegen eine bewusst-herbeigeführte verkürzte Lebensdauer von Produkten („geplante Obsoleszenz“). Erst die durchwegs sinnvolle Verwendung von (reduziertem) Abfall und ein merkbarer Umgang des übertriebenen Konsumverhaltens wären für sie Anzeichen einer erfolgreichen Politik.

Und im Kontext der Mobilität motiviert sie der Gedanke, dass eine Reduktion sowohl Stress minimieren kann als auch der Gesundheit förderlich ist. Wenn schon früh damit angefangen wird, könne man sich an die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel und an Fahrgemeinschaften leicht gewöhnen und viele Vorteile daraus gewinnen. An die Politik wird appelliert, das öffentliche Verkehrsnetz deutlich auszubauen und gleichzeitig billiger anzubieten, ergänzend günstige „Ortstaxis“ zu fördern und ganz grundsätzlich den Elektrobetrieb aller Fahrzeuge voranzutreiben. Deutlich weniger Autos auf den Straßen, weniger verbaute Flächen und weniger Unfälle wären für sie sichtbare Anzeichen dafür, dass die gesetzten Maßnahmen fruchten.

Nach diesen anregenden Diskussionen klang der Abend bei köstlichem regionalen Essen und Musik in sehr gemütlicher Atmosphäre aus. Wir würden uns freuen, wenn Lisa Bauchinger auch mit den folgenden Zeilen ihrer Reportage Recht behält:

“Nach einem erfolgreichen Diskussionsabend, nehmen sich viele so manch angesprochene Missstände zu Herzen und wollen im eigenen Alltag mehr auf ihr Verhalten achten und sich umweltschonender ernähren, konsumieren und fortbewegen bzw. für eine nachhaltige Entwicklung engagieren.”

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