Vision – erste Ergänzungen und Erweiterungen

Bevor in einem nächsten Schritt die erarbeitete Vision für 2040 um konkrete Schritte ergänzt werden kann, wurden die AkteurInnen zu einer Meinungsrunde eingeladen. In dieser wurde der nötige Raum geboten, um die Vision zu ergänzen bzw. zu erweitern. Die wichtigsten Punkte können folgendermaßen zusammengefasst werden:

Es wird viele Verbündete brauchen, um die Vision auch tatsächlich zu realisieren. Hierfür möchten die AkteurInnen all jene begeistern, die sich begeistern lassen. Sie möchten mit Vereinen, Genossenschaften, Kreisen, Zirkeln und Pionieren aus anderen Regionen zusammenarbeiten. Ein Hauptaugenmerk soll auf die Einbeziehung der Kinder – der kommenden Generationen – gelegt werden. Außerdem gehe es ihnen um die Einbeziehung der Natur in alle Entscheidungen – auch sie wird somit zu einer Verbündeten. Schließlich kann die Krise selbst als Verbündete gesehen werden, wenn es darum geht, alte Muster zu sprengen.

Einige Gewohnheiten und Abläufe wird die Region und deren BewohnerInnen ablegen müssen, um ihren Zielen näher zu kommen: Verantwortung kann dann nicht einfach abgeschoben werden; Grundsätzliches negatives Denken und Sudern stehen der Vision im Wege; Es darf nicht alles als gegeben betrachtet werden; Schließlich möchten sie versuchen, die weit verbreitete Überbewertung von Dingen hinter sich zu lassen. Viel mehr möchten sie sich darauf konzentrieren, mutiger zu sein, Muster abzulegen, den Wandel bewusst zu leben und mehr Toleranz zu üben.

Zu den für nötig erachteten gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen zählen mehr Gesprächsbereitschaft zwischen politischen, religiösen und zivilgesellschaftlichen VertreterInnen; Kulturelle Offenheit und Toleranz gegenüber einem „Anders-Sein“; das Herstellen und Leben von Beziehungen zum eigenen Umfeld, den Menschen und den Ressourcen; Das Übernehmen von mehr Eigenverantwortung, anstatt sich auf einer „VersorgerInnen-Mentatlität“ auszuruhen; Außerdem wünschen sie sich eine bewusste Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen und Herausforderungen.

Von technischer Seite erwarten sich die VertreterInnen grundsätzlich eher weniger. Denn mit weniger Technik seien sie der Vision näher. Es ginge eher um einfache Lösungen, die eine Unabhängigkeit von großen Konzernen garantieren. Das Lernen von und mit der Natur soll die Vorherrschaft der Technik brechen.

Von einer visionären Finanzwirtschaft würden sie sich wünschen, dass diese lokal eine Regionalwährung ermöglicht und unterstützt. Dabei sollen auch regionale Banken möglich gemacht und gefördert werden, die wiederum lokale Finanzkreisläufe und auf diese Weise auch echte Genossenschaften stärken können. Die Wirtschaft als solche soll die Wertigkeit von Klein- und Mittelbetrieben steigern, um dauerhaft mehr Arbeitsplätze schaffen zu können. Die VertreterInnen wollen eine Wirtschaft, die sich auf ihr Urziel besinnt und wieder dem Menschen dient. Nicht etwa umgekehrt! Dazu muss ein neues Steuer- und Subventionssystem soziale und ökologische Faktoren weit stärker miteinbeziehen.

Auch die Rolle von Medien und Kommunikation im Allgemeinen muss den angedachten Veränderungen angepasst werden. Diese sollen dann der Zivilgesellschaft dienen, anstatt faktisch einer Machtpolitik und wirtschaftlichen Privatinteressen verpflichtet zu sein. Medien sollen informieren, nicht zu irgendwas “verführen”. Weiters sehnt man sich nach positiveren Berichten und mehr Einbindung von LeserInnen. Sogar Wünsche nach einem Verbot von Werbung werden geäußert, da diese als viel zu manipulativ wahrgenommen werden.

Im Kontext von institutionellen Änderungen wird das Prinzip der „Subsidiarität“ betont und somit jene Praxis der Eigenverantwortung hervorgehoben, die Verantwortung nur dann an übergeordnete Institutionen abgibt, wenn unmöglich auf lokaler Ebene entschieden werden kann. Die Vision verlangt nach mehr Nachhaltigkeitsprüfungen von Gesetzen und Normen, einer generellen Entbürokratisierung und einer klarer formulierten und überschaubareren Gesetzeslage.

Nachhaltigkeitsinitiativen als solche werden 2040 die Norm sein. Sie haben auf dem Weg dorthin immer wieder als Vorbilder gedient und gezeigt, was alles geht. Das Nachahmen wurde durch sie in verschiedensten Bereichen leicht gemacht. Sie fungierten als Katalysatoren um Ideen zusammenzufügen und Räume zu öffnen.

Als größte Engpässe für die Erreichung der Vision wird allem voran das individuell-egoistische Streben nach Verwirklichung und einer damit einhergehenden Übernutzung der Ressourcen angesehen. Außerdem werden an dieser Stelle festgefahrene und inflexible Strukturen, starke Widerstände der Mächtigen, omnipräsente Globalisierungstendenzen und die eingeschränkten persönlichen Zeitressourcen als die größten Hürden erkannt.

Um sicher zu gehen, dass sie Vision jedenfalls vor 2040 stirbt, empfehlen die VertreterInnen abschließend folgende Vorgehensweise: Aus einer Mutlosigkeit heraus nichts tun außer Ängste schüren und Zäune errichten. Nun, diesem drohenden Szenario möchten die kommenden Schritte jedenfalls tatkräftig entgegenwirken.

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