Hier stellen wir eine Auswahl von Methoden vor, die in unseren LebensKlima-Projekten zum Einsatz kommen. Links anklicken zum Ein- / Ausblenden von Detailinformationen.
In einer Aktivierenden Befragung werden BürgerInnen nach ihren Meinungen und Einstellungen gefragt und gleichzeitig dazu angeregt und ermutigt, für ihre Interessen einzutreten und bei der Entwicklung von Lösungen in ihrem Wohnumfeld mitzuwirken. Die Methode eignet sich, um Interessen und Bedürfnisse von Menschen in einem bestimmten Wohngebiet kennen zu lernen und zur Förderung des selbstbestimmten Engagements von BürgerInnen.
Um das Gebiet, in dem die Befragung durchgeführt werden soll, besser kennen zu lernen, werden in einer Voruntersuchung Gespräche mit Schlüsselpersonen und BewohnerInnen geführt, Materialien ausgewertet und Beobachtungen durchgeführt. Die eigentliche Befragung wird schriftlich angekündigt und erfolgt persönlich durch geschulte InterviewerInnen auf der Basis eines Interviewleitfadens mit offenen Fragen. Ziel ist es, die Ängste, Wünsche, Sorgen der BewohnerInnen herauszufinden. Gleichzeitig werden aber auch eigene Lösungsvorschläge der BürgerInnen sowie ihr Interesse an einer Mitwirkung bei der Umsetzung der Ideen erfragt. Die Ergebnisse der Befragung werden ausgewertet und den BewohnerInnen, mit dem Ziel, Umsetzungsschritte zu definieren, vorgestellt. Für die Umsetzung werden Interessen- oder Aktionsgruppen gebildet.
Der BürgerInnen-Rat bietet eine einfache, kostengünstige und rasche Möglichkeit, Selbstorganisation und Eigenverantwortung von BürgerInnen zu stärken. Er eignet sich für die kreative Entwicklung und Umsetzung von Lösungen zu heiklen Themen und um das Engagement und demokratiepolitische Verständnis von BürgerInnen zu stärken.
Der BürgerInnenrat setzt sich aus zwölf nach dem Zufallsprinzip ausgewählten BürgerInnen zusammen. In der zwei Tage dauernden Arbeitsphase identifizieren die TeilnehmerInnen Themen öffentlichen Interesses in ihrem Umfeld und entwickeln dafür Verbesserungs-/Lösungsvorschläge. Dabei werden sie von einem „dynamic facilitator“ (siehe Dynamic Facilitation) unterstützt. Diese/r ModeratorIn hilft den beteiligten BürgerInnen herauszufinden, was sie wollen und wie sie auf kreative Weise gemeinschaftliche Lösungen zu scheinbar unlösbaren Problemen entwickeln können. Dabei steht die Selbstorganisationsdynamik der Gruppe im Vordergrund. Mithilfe dieses Empowerment-Ansatzes und der Konzentration auf die Gruppenenergie werden im Zuge der Dynamic Facilitation bessere, schnellere und stärker konsensuale Resultate erzielt als in anderen Verfahren.
Die Ergebnisse des BürgerInnenrats werden in einem Statement festgehalten, das öffentlich präsentiert wird. Danach wird der BürgerInnenrat aufgelöst. Im Anschluss an die Abschlusspräsentation besteht für die gesamte Bevölkerung Gelegenheit, das Thema zu diskutieren (zB in Arbeitsgruppen). Empfehlenswert ist die periodische Neubildung eines BürgerInnenrats (alle vier Monate). Der neue Rat bestimmt eigene Themen und kommentiert die vorhergehenden Statements. Im Laufe der Zeit entstehen Statements, die vom Großteil der Bevölkerung getragen werden. Dieser Ansatz alle Menschen eines Systems – seien es Städte, Vereine, Unternehmen, Behörden oder ganze Staaten – einzubeziehen, zu ermächtigen und zu befähigen, hat sich in der Praxis gut bewährt.
Ziel des Dialogs ist es, „etwas Gemeinsames“ oder etwas Neues für eine Gruppe zu schaffen. Es geht nicht um einen Austausch von Meinungen, sondern darum, die Annahmen und Bewertungen zu erkennen, die hinter den Meinungen stehen. Diese Methode eignet sich für Gruppen, die ein gemeinsames Anliegen haben oder finden wollen, für Gruppen, die eine gemeinsame Aufgabe haben und die Erledigung dieser Aufgabe planen wollen oder als offene Einladung für Personen einer Gemeinde, Region, eines Unternehmens etc.
Bei einem Dialog sitzen die TeilnehmerInnen in einem Sesselkreis. In der Mitte liegt ein Sprechstab oder „Talking Stick“ (Holzstab oder dicker Filzstift). Nachdem eine Ausgangsfrage/Thema gestellt bzw. genannt wurde, kann sich nun jede/r TeilnehmerIn dazu äußern, was ihn/sie in Bezug auf das Thema besonders berührt. Wer einen Redebeitrag hat, nimmt den Sprechstab und spricht. Nach Ende des Beitrags wird der Sprechstab zurück in die Mitte gelegt oder zur/zum nächsten SprecherIn, der/die sich meldet, weitergegeben. Es gibt einige wesentliche Elemente, die bei dieser Methode beachtet werden müssen:
- Die Teilnehmenden verpflichten sich, während der gesamten Dauer des Dialogs daran teilzunehmen.
- Alle sind grundsätzlich bereit, ihre eigenen Grundannahmen in Frage zu stellen.
- Der Dialog funktioniert nur, wenn alle TeilnehmerInnen freiwillig anwesend sind.
- Hierarchien und Rolleneigenschaften sind für die Dauer des Dialogs aufgehoben.
- Nur wer den Sprechstab in Händen hält, spricht und darf nicht unterbrochen werden.
- Die Methode ist nicht geeignet für Gruppen mit akuten Konflikten.
- Aufgrund der einfachen Regeln ist keine Moderation nötig. Das fördert die Eigenverantwortung jedes/jeder Einzelnen.
Dynamic Facilitation ist eine offen moderierte Gruppendiskussion mit einer flexiblen Anzahl von TeilnehmerInnen, idealerweise zwischen 8 und 20. Die Methode baut auf die Kreativität der TeilnehmerInnen für eine Lösungsfindung auf und distanziert sich dabei bewusst von konventionellen, linearen Moderationsstrukturen. Dynamic Facilitation eignet sich insbesondere bei Fragestellungen, bei denen bereits die Problemdefinition, die möglichen Lösungen und die Bedenken gegen diese Lösungen Emotionen bei den Teilnehmenden hervorrufen. Die Methode wird vielfach in der Organisations- und Unternehmensberatung angewendet, kann jedoch auch auf andere Bereiche übertragen werden. Sie geht auf den US-Amerikaner Jim Rough zurück. Diese Methode eignet sich für eine kreative Lösungsfindung bei gleichzeitigem Aufbau von Vertrauen in einer definierten Gruppe und wird dann eingesetzt, wenn alle Teilnehmenden ein echtes Interesse daran haben, eine Lösung herbeizuführen und wenn das Thema eine emotionale Komponente hat.
Vier Plakatwänden werden bei dieser Methode mit den folgenden Überschriften betitelt: Herausforderungen/Fragen, Lösungen/Ideen, Bedenken/Einwände und Informationen/Sichtweisen.
Unter dem Stichwort „Herausforderungen/Fragen“ werden Aussagen gesammelt, die das zu lösende Problem beschreiben. Diese werden als Fragen formuliert: „Wie können wir xy erreichen?“
Auf dem Plakat mit dem Titel „Lösungen/Ideen“ werden alle genannten Lösungen geschrieben, unabhängig davon, auf welches der formulierten Probleme und Fragestellungen sie sich beziehen.
Bei den „Bedenken/Einwänden“ werden jene Befürchtungen gesammelt, die zu den bereits bestehenden Lösungsvorschlägen formuliert wurden. Wichtig ist dabei die klare Trennung auf zwei Unterschiedliche Plakatwände: Die Lösung erhält durch die räumliche Trennung keine negative Bewertung; gleichzeitig werden die Bedenken jedoch anerkannt und der emotionalen Komponente Rechnung getragen. Alle weiteren Äußerungen, Fakten, Informationen und Beobachtungen, die von den TeilnehmerInnen geäußert werden, kommen auf die Liste „Informationen und Sichtweisen“. Es spielt keine Rolle, ob die hier benannten Punkte der Wahrheit entsprechen oder falsch sind.
Während des gesamten Prozesses schreibt der bzw. die ModeratorIn auf allen vier Wänden mit. Wenn alle Probleme, Lösungsvorschläge, Bedenken und sonstigen Anmerkungen, die die TeilnehmerInnen bereits in den Prozess mit hineingetragen haben, benannt und auf den Tafeln visualisiert worden sind, setzt eine gewisse „Leere“ in der Diskussion ein. Es ist nun möglich, sich aus der „Verhaftung der Gedanken“ zu lösen und es entsteht offener Raum für etwas Neues. Nun tritt das schöpferische und kreative Potenzial innerhalb der Gruppe zutage. Treten dennoch zu einem späten Zeitpunkt neue Probleme, Bedenken o. ä. auf, werden diese ebenfalls auf den Plakatwänden gesammelt. Das Ziel ist nicht, eine alternative Lösung A, B oder C zu finden. In der Dynamic Facilitation geht es eher darum, einen gemeinsamen kreativen Durchbruch zu erlangen, der auch die Spannung innerhalb der Gruppe löst und von allen als richtiger Lösungsweg empfunden wird.
Quelle: http://www.partizipation.at/dynamic_facilitation.html
Diese Methode dient dem Aufdecken tieferliegender Denkmuster, Glaubenssätze und Konstrukte eines Menschen. Ziel der Laddering Methode ist es, individuumspezifische, generalisierte Äußerungen (innere Glaubenssätze) zu erhalten, da diese oftmals die Grundlage für bestimmte Verhaltensweisen und Lebensstile darstellen und individuelle Bedürfnisse zu identifizieren. Die Methode eignet sich für die Einzelarbeit oder die Arbeit in kleinen Gruppen. Grundsätzlich wird beim laddering jede Aussage des Teilnehmers kritisch hinterfragt, z. B. „Wie genau ist jemand, der…?“ oder „Was genau meinen Sie mit…?“ oder schlicht „Warum?“.
Quelle: InContext Methodenpapier (Del. 4.1), S.44 und http://www.coaching-tools.de/tools/sci-vesco-web.htm
Bei der Methode des World Café wird in einer entspannten, kaffeehausähnlichen Atmosphäre ein kreativer Prozess in Gang gesetzt, der über mehrere Gesprächsrunden den Austausch von Wissen und Ideen unter den Beteiligten fördert und so zu neuen Erkenntnissen führt. Diese Methode eignet sich, um das Wissen der Beteiligten und deren Perspektiven zu sammeln und sich auszutauschen und um neue Ideen zu entwickeln und Handlungsmöglichkeiten zu finden.
Bei dieser Methode finden sich in – gewöhnlich 3 – aufeinander aufbauenden Gesprächsrunden von je 20-30 Minuten 4-6 Personen in einer ungezwungenen Atmosphäre an einem Tisch zusammen. Hier setzen sie sich mit einem konkreten Thema bzw. mit gestellten Fragen auseinander. Die kleine Gruppe eignet sich besonders gut für effiziente Diskussionen, deren Ergebnisse auch dokumentiert werden. Nach der ersten Gesprächsrunde verlassen die TeilnehmerInnen ihren Tisch und mischen sich an anderen Tischen neu. Eine TischgastgeberIn bleibt jeweils am Tisch zurück. Sie gibt den neu ankommenden die wesentlichen Gedanken der Vorrunde in das Gespräch mit, während die „Reisenden“ ebenfalls die Gedanken weiter tragen. Der Austausch unter allen Beteiligten wird so auf eine sehr dynamische Weise gefördert und es können in kurzer Zeit Wissen und Erfahrung jedes Einzelnen einfließen, Anregungen geschaffen werden und neue kreative Ideen entstehen.
Nach mehreren Gesprächsrunden werden an jedem Tisch die wichtigsten Ergebnisse gesammelt und der gesamten Gruppe vorgestellt. Abschließend werden im Plenum die Ergebnisse reflektiert.
In einer Zukunftswerkstatt werden die TeilnehmerInnen durch eine kreativitätsfördernde Atmosphäre angeregt, fantasievolle und ungewöhnliche Lösungen für aktuelle Fragestellungen zu entwickeln. Diese Methode eignet sich für die Entwicklung von Visionen (z. B. bei der Erstellung von Leitbildern, Entwicklungsszenarien, Zukunftsprojekten, etc.) oder für das Finden neuer und kreativer Lösungen für bestehende Probleme oder Fragestellungen. Der Ablauf einer Zukunftswerkstatt gliedert sich in drei Phasen: (1) Kritikphase (Analyse der aktuellen Situation und Erfassung der Probleme), (2) Fantasiephase (Entwicklung von Ideen und Lösungsvorschlägen, die zunächst durchaus utopisch sein dürfen und Sachzwänge ausgeblendet werden) und (3) Realisierungsphase (Strukturierung der Vorschläge, Untersuchung ihrer Umsetzbarkeit, Absprachen über das weitere Vorgehen).
