Photoprotokoll der Abschlussveranstaltung

Abschlusspräsentation über die Fallstudien – Putzleinsdorf

In Putzleinsdorf wurde der Abschluss des GLAMURS-Projekt und die Staffelübergabe an das lokale Kernteam gefeiert. Das Protokoll dieses Events – das als Basis für die Weiterarbeit vieler engagierter Damen und Herren dient – sowie die Folien der Abschlusspräsentation können nun auch heruntergeladen werden. Über die erfolgreichen drei Jahre GLAMURS-Projekt in Donau-Böhmerwald hat zum Jahresabschluss 2016 auch das LEADER-Journal berichtet. Den Artikel von Paul Lauer – der das Projekt aus Sicht des externen BegleiterInnen-Teams Revue passieren lässt – können Sie hier nachlesen:

Voi die Wissenschaft lebm!

von Paul Lauer

Wissenschaft soll den Menschen dienen. Und auch ein EU-Projekt – das WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichsten Bereichen, sowie Initiativen und regionale Bevölkerungen gemeinsam zum Thema „Nachhaltige Lebensstile“ kooperieren lässt – wird am Ende daran gemessen, ob es den unterschiedlichen AkteurInnen bei ihrem weiteren Leben gute Dienste erweisen kann. Die Zusammenarbeit des Forschungsteams mit der LEADER-Region Donau-Böhmerwald darf insofern als besonders erfolgreich betrachtet werden, als das Ende des EU-Projekts gleichzeitig der Anfang der Arbeit eines lokal verwurzelten und engagierten Kernteams ist. Die Umsetzung der im Rahmen von GLAMURS regional entwickelten Vision einer Glücksmodellregion Donau-Böhmerwald hat begonnen.

Knapp drei Jahre liegen zwischen dem Start des Projekts und heute. Und diese Zeit wurde genutzt, um sowohl zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen als auch Workshops mit Vertreterinnen und Vertretern der Region durchzuführen. Folgende Methoden haben den regionalen Entwicklungsprozess der letzten Jahre begleitet:

  • Die anfängliche Systemanalyse sorgte für einen besseren Überblick auf die Region, ihre Geschichte, besondere Bedingungen und zentrale AkteurInnen. Letztere wurden insbesondere in den Netzwerkanalysen untersucht.

  • Tiefeninterviews halfen uns, Zusammenhänge zwischen den Engagierten aus den Initiativen und ihren persönlichen Hintergründen zu verstehen.

  • Die Umfragen untersuchten die Faktoren bei der Wahl für bzw. gegen nachhaltige Lebensstile. Im Fokus standen dabei insbesondere die Zusammenhänge von Entscheidungen zwischen Zeitaufwand, Konsum und Wohlbefinden, sowie der aktuelle Lebensstil und dessen Fußabdruck.

  • Die Arbeit mit Fokusgruppen gab uns die Möglichkeit, tiefere Einblicke in zentrale Themen wie „Zeit für Engagement“, „Wohlbefinden“ und „Konsummuster“ zu gewinnen.

  • Und in den Visionsworkshops haben die TeilnehmerInnen schließlich die lokale Vision für das Jahr 2040 entwickelt. Anschließend wurden Schritte hin zu einer Realisierung dieser Vision skizziert – die Pfade des Gelingens.

Alle diese Methoden und Workshops hatten – neben dem europäischen Vergleich mit anderen Fallstudien – das primäre Ziel, der regionalen Entwicklung einen wissenschaftlich begleiteten Rahmen zu bieten: zentrale Akteurinnen und Akteure haben sich sowohl der individuellen als auch der gemeinschaftlich-regionalen Dimension einer nachhaltigen Entwicklung gewidmet und in diesem Kontext die Vision „Voi Lebm – Donau-Böhmerwald als Glücksmodellregion“ ausgearbeitet.

Die schon fast befremdliche Tatsache, dass der Lifestyle „voi Lebm!“ so sehr in die internationale Aufmerksamkeit gerückt ist – und dabei etwa dem italienischen „dolce vita“ und dem latein-amerikanischen „pura vida!“ Konkurrenz macht –, erfüllt uns gleichermaßen mit Freude und Stolz. Jedenfalls sind wir auf diese Weise dafür bekannt geworden, dass unsere verwurzelte, neugierige und menschliche Art der Lebensführung ein wundersames Rezept für ein glückliches Miteinander bereitgestellt hat. Viel wichtiger als dieser interessierte Blick auf uns von außen ist aber das lokale und uns verbindende Gefühl von Vertrauen und Gemeinschaft. Wir haben ein Fundament für eine hohe Lebensqualität für uns und kommende Generationen geschaffen. Denn wichtig war uns nicht, welche Außenwirkung wir erzeugen – entscheidend war und ist unser Tun! Gestern, heute und morgen. (Die vollständige Vision finden Sie hier)

Diese Vision orientiert sich an acht Teilbereichen – von Werten über Energie und Mobilität bis hin zu Ernährung und Bildung. Diese Teilbereiche sind es auch, die uns dabei helfen, den Prozess der Realisierung zu strukturieren. Die „Pfade des Gelingens“ – wie sie von den AkteurInnen selbst genannt wurden – skizzieren bereits kleinere und größere Schritte der Umsetzung von heute bis zum fernen Jahr 2040. Das frisch gegründete Kernteam nimmt sich dieser Aufgabe an.

––––––

Paul Lauer ist Konfliktforscher und arbeitet am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung zu den inneren Konflikten der Nachhaltigkeit, aktuell im Projekt GLAMURS.

Abschlussfeier und Auftakt des Kernteams

Einladung zur Abschlussveranstaltung

Die Region Donau-Böhmerwald arbeitet seit zwei Jahren in einem europäischen Netzwerk mit Universitäten zusammen. Fallstudienregionen aus mehreren Mitgliedsländern der EU wurden untersucht.

Wir möchten jetzt den Abschluss dieses mehrjährigen Projektes mit Ihnen und den bisher Beteiligten von Netzwerkanalysen, Fokusgruppen, Interviews, Umfragen, Visionsworkshops, usw… feiern. Dieser Abschluss ist gleichzeitig die Übergabe des Projekts an das neue Kernteam und somit ein Startschuss für viele weitere konkrete Schritte. Ein Abend mit Musik, Interaktion und Information. Was soll wachsen? Was soll schrumpfen? – damit eine zukunftsfähige Region entsteht.

  •  Mittwoch, 2. November 2016, 19 Uhr, im Pfarrsaal Putzleinsdorf

Wir würden uns sehr freuen, wenn auch Sie kommen! Eine Anmeldung ist über die Homepage unserer Region www.donau-boehmerwald.info ab sofort möglich.

Hier können Sie den Flyer als PDF herunterladen.

Zeitungsartikel-Serie zur Glücksmodell-Region

Die Glücksmodell-Region in der Regionalzeitung Tips

Zu einem besonders lebenswerten Fleckchen soll die Region Donau-Böhmerwald (DBW) werden. Dazu haben engagierte Leute sich zusammengesetzt, ihre Kräfte gebündelt und eine Vision DBW 2040 erstellt. Unter dem Motto „Voi Lebm“ werden Wege aufgezeigt, die eine nachhaltige Lebensweise und damit die Lebensqualität fördern sollen. Die Regionalzeitung Tips stellt diese Pfade des Gelingens in den nächsten Wochen bis zur Schlusspräsentation des europaweiten Projektes vor. Hier können Sie die jeweiligen Artikel als PDF herunterladen:

Voi Lebm – erste Schritte des Kernteams

Factsheet rund um das neue Kernteam und die Partizipationsmöglichkeiten

In den vergangenen Wochen hat sich in der Reagion Donau-Böhmerwald ein Kernteam aus rund 15 Personen zusammengefunden, um die lokal entwickelte Vision Schritt für Schritt in die Tat umzusetzen, Aufgabe des Kernteams ist die Verankerung der Vision „LebensKlima Donau-Böhmerwald 2040“ in den acht Themenbereichen. Das Kernteam will die Vision konkretisieren und mit anderen regionalen nachhaltigen Projekten und Prozessen abstimmen und vernetzen.

Hierzu gibt es ein Factsheet, auf dem kurz und prägnant die wichtigsten Informationen rund um dieses Vorhaben erläutert sind (hier gehts zum Download als pdf).

Weiterlesen

Vision der Jugend – World Café im Jugendzentrum Rohrbach

Austausch zum Thema “Ernährung” – Foto: Paul Lauer

Die Vision Donau-Böhmerwald 2040 wird nur dann ihre volle Kraft entwickeln können, wenn diese auch von der Jugend mitgetragen und erweitert werden kann. Um einen ersten tatkräftigen Schritt in diese Richtung zu setzen, hat das LEADER-Büro gemeinsam mit dem Jugendzentrum s’Haven Rohrbach und dem GLAMURS-Projekt im Rahmen der Aktionstage Nachhaltigkeit einen gemeinsamen Abend organisiert: „Ein gutes Lebensklima? Ein Abend für unsere Region Donau-Böhmerwald“.

Social Media Reporterin Lisa Bauchinger, die den Abend im Rahmen der “Aktionstage Nachhaltigkeit” begleitet, beschreibt die Eckpunkte der Veranstaltungen folgendermaßen:

„Im Rahmen eines World Cafés, einer Workshop-Methode, die es einer größeren Anzahl an Menschen ermöglicht sich in Kleingruppen über ihre Sichtweisen und Ideen auszutauschen, wurden Jugendliche aus Rohrbach eingeladen über das Thema Nachhaltigkeit und ihre Bedürfnisse und Ansprüche an eine nachhaltige Zukunft zu diskutieren. Eine wichtige Frage an die Jugendlichen war, wie sich die Region entwickeln müsste, damit sie auch für die Jungen attraktiv ist und somit leben und arbeiten im ländlichen Raum wieder ansprechend macht. Für das Team des EU-Projekts GLAMURS ist es wichtig, neben zahlreichen Ideen und Meinungen von Erwachsenen, auch die Perspektiven der neuen Generation einzuholen, um das Bild zukünftiger Visionen in der Region abrunden zu können.“

Einige Jugendliche aus der Region sind der Einladung gefolgt und beteiligten sich lebhaft an den Diskussionen über die zentralen Themen des Abends: Ernährung, Konsum und Mobilität. Viele der zuvor von Klaus Diendorfer (LEADER Geschäftsführer), Moritz Kammerlander und Paul Lauer (wissenschaftliche Mitarbeiter des GLAMURS-Projekts) vorgestellten Ideen aus der zuvor regional erarbeitenden Vision wurden aufgegriffen, diskutiert und erweitert.

Um einen möglichst persönliche Einblick in die jeweiligen Perspektiven der Jugendlichen zu gewinnen, wurde der Austausch in den drei Bereichen Ernährung, Konsum und Mobilität durch die folgenden drei Leitfragen strukturiert:

  • Was motiviert mich ressourcenschonend zu leben?
  • Was muss Politik machen damit ressourcenschonende Lebensweisen leichter gelingen?
  • Wie wird es sichtbar und was kann ressourcenschonendes Leben langfristig bewirken?

So konnte die Vision Donau-Böhmerwald 2040 bereits um eine Vielzahl (jüngerer) Stimmen bereichert werden. Diese haben gezeigt, dass auch die jungen Generationen sehr an einer Reduzierung der Umweltbelastungen interessiert ist. Entschleunigung und Stressabbau werden auch von ihnen zum Thema gemacht und der Wille zu einer Wiederverwertung und gemeinsamen Benutzung von Gegenständen und Transportmittel ist bereits da. Sie teilen sowohl den Wunsch nach regional und biologisch-produzierten Lebensmitteln als auch die Sorge um die eigene Gesundheit im Kontext von derzeitigen Produktionsmethoden und Chemikalien.

Als Motivation für ein (regionales) Umdenken Im Bereich der Ernährung wurden außerdem beispielsweise der Tierschutz, der bessere Geschmack von biologisch-produzierten Lebensmittel und eine gesteigerte Wertschätzung von Essen im Allgemeinen genannt. An die Politik richten sich diesbezüglich unter anderem jene Aufforderungen, genmanipulierte Lebensmittel zu verbieten, Wochenmärkte stärker zu unterstützen und den Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum zu überdenken. Erst wenn das „Bauernsterben“ ein Ende habe, sich das lokale Produzieren gesunder Lebensmittel wieder rentiere und weniger Lebensmittel im Müll landen (müssen), wird für sie eine positive Veränderung sichtbar.

Im Bereich Konsum geht es ihnen um einen reduzierten Ressourcenverbrauch und weniger Abfallproduktion. Der Gedanke an Kinderarbeit (insbesondere in der Textilbranche), das “Meer an (unserem) Elektromüll” in afrikanischen Ländern und der „Konsumzwang” motivieren die jungen TeilnehmerInnen des Abends. Sie wollen mehr Bewusstseinsbildung von der Politik, bessere/umweltverträglichere Gesetze und ein Vorgehen gegen eine bewusst-herbeigeführte verkürzte Lebensdauer von Produkten („geplante Obsoleszenz“). Erst die durchwegs sinnvolle Verwendung von (reduziertem) Abfall und ein merkbarer Umgang des übertriebenen Konsumverhaltens wären für sie Anzeichen einer erfolgreichen Politik.

Und im Kontext der Mobilität motiviert sie der Gedanke, dass eine Reduktion sowohl Stress minimieren kann als auch der Gesundheit förderlich ist. Wenn schon früh damit angefangen wird, könne man sich an die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel und an Fahrgemeinschaften leicht gewöhnen und viele Vorteile daraus gewinnen. An die Politik wird appelliert, das öffentliche Verkehrsnetz deutlich auszubauen und gleichzeitig billiger anzubieten, ergänzend günstige „Ortstaxis“ zu fördern und ganz grundsätzlich den Elektrobetrieb aller Fahrzeuge voranzutreiben. Deutlich weniger Autos auf den Straßen, weniger verbaute Flächen und weniger Unfälle wären für sie sichtbare Anzeichen dafür, dass die gesetzten Maßnahmen fruchten.

Nach diesen anregenden Diskussionen klang der Abend bei köstlichem regionalen Essen und Musik in sehr gemütlicher Atmosphäre aus. Wir würden uns freuen, wenn Lisa Bauchinger auch mit den folgenden Zeilen ihrer Reportage Recht behält:

“Nach einem erfolgreichen Diskussionsabend, nehmen sich viele so manch angesprochene Missstände zu Herzen und wollen im eigenen Alltag mehr auf ihr Verhalten achten und sich umweltschonender ernähren, konsumieren und fortbewegen bzw. für eine nachhaltige Entwicklung engagieren.”